Ecosia: Was steckt hinter dem grünen Google-Konkurrenten?

Ecosia Logo, Suchmaschine

© Ecosia

Ecosia ist eine „grüne Suchmaschine“ und ein Social Business, das 2009 gegründet wurde. Mit dem Großteil des Gewinns werden Bäume gepflanzt, wodurch der Klimawandel bekämpft werden soll. Trotz der guten Absichten gibt es dennoch immer wieder Kritik. Wir haben uns die Suchmaschine und das Unternehmen dahinter einmal genauer angeschaut.

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Die Geschichte hinter Ecosia

Ecosia wurde im Dezember 2009 von Christian Kroll gegründet.

Obwohl Christian mit 16 Jahren bereits „gewissenlos“ mit Aktien spekulierte, stand beim Ecosia-Projekt von vornherein fest, dass die Gewinnmaximierung nicht im Vordergrund stehen soll.

Sein BWL-Studium an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen-Nürnberg hat Christian besonders geprägt. Er selbst sagt über diese Zeit:

„Niemand hat hinterfragt beziehungsweise erkannt, dass man Unternehmen auch nach ganz anderen Gesichtspunkten entwickeln kann als auf die reine Profitmaximierung hin. Etwa, ob die Mitarbeiter glücklich sind oder ob man möglichst viel Gutes tut für die Welt.“[1]

Nach Abschluss seines Studiums verbrachte er zunächst eineinhalb Jahre auf Reisen – u.a. in Nepal und Südamerika. Vor Ort konnte er sowohl die ausgeprägten sozialen als auch ökologischen Ungerechtigkeiten hautnah miterleben.

Durch diese Umstände inspiriert, versuchte er noch während seiner Zeit in Nepal eine eigene Suchmaschine aufzubauen. Ohne unternehmerische Erfahrung und aufgrund einer mangelhaften Infrastruktur vor Ort scheiterte dieses Projekt jedoch zunächst.

In Südamerika entwickelte er den Programmiercode für die Suchmaschine auf eigene Faust weiter. Das Ergebnis war der Vorgänger von Ecosia: die Suchmaschine Forestle.

Mithilfe der unternehmerischen Expertise und dem Kapital von Tim Schumacher konnte Ecosia dann seit 2013 fokussiert aufgebaut werden.

Zu Beginn wurden noch 80% des Umsatzes in Baumpflanzungsprojekte investiert – für Gehälter und Bürokosten bleib dann nicht mehr viel Geld übrig.

Aus diesem Grund hat man sich dazu entschieden, 80% des Gewinns für Bäume zu spenden. Durch diese kleine aber wichtige Änderung kann das Unternehmen heute auch Rücklagen für größere Investitionen bilden.

Ecosia Gründer Christian Kroll, Porträt

Ecosia-Gründer Christian Kroll © Ecosia

Sowohl die Suchergebnisse als auch die ausgespielten Anzeigen bezieht Ecosia von Microsofts Suchmaschine Bing bzw. aus dem Microsoft-Werbenetzwerk.

Daraus ergibt sich durchaus ein gewisses Risiko:

Wenn Microsoft einmal den Hahn abdrehen sollte, steht Ecosia ohne Suchergebnisse dar – für eine Suchmaschine ein nicht ganz unwichtiger Teil des Angebots…

Christian Kroll sagt dazu:

„Natürlich birgt diese Partnerschaft ein fundamentales Risiko. Wir schließen unsere Verträge aber mit einer Laufzeit von zwei Jahren ab, so dass wir uns darauf einstellen und reagieren könnten. […] Strategisch gesehen sind wir für Microsoft sehr sinnvoll. […] So verliert Microsoft durch unsere Partnerschaft zwar Geld, aber der strategische Gewinn überwiegt.“[1]

Aus Christians Sicht wäre die Entwicklung eines eigenen Suchalgorithmus für Ecosia unmöglich. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass bei Google wohl über die Hälfte der Mitarbeiter mit der Verfeinerung und Weiterentwicklung des Algorithmus beschäftigt sind.

Zum Vergleich: Google beschäftigt weltweit ca. 120.000 Mitarbeiter, bei Ecosia arbeiten ca. 70 Angestellte + Freiberufler.

Um in Zukunft weiter wachsen zu können und neue Nutzer zu gewinnen, legt Ecosia daher viel Wert auf die Entwicklung zusätzlicher Features, die den Nutzern den Umstieg von Google erleichtern sollen (z.B. die Einblendung eines Wetter-Widgets in den Suchergebnissen bei entsprechenden Anfragen).

Ecosia ist unverkäuflich

Bereits im Jahr 2018 hat Christian seine Ecosia-Anteile an die Purpose Stiftung gespendet. 99% des Kapitals wurden abgetreten.

Alles wurde so geregelt, dass Ecosia in Zukunft nicht einfach von einem profitorientierten Investor aufgekauft werden kann. Laut Christian war dieser Schritt richtig und auch wichtig, um langfristig die Glaubwürdigkeit des ganzen Projekts aufrechtzuerhalten.

Die Purpose Stiftung hilft Unternehmen dabei, sich auf die Sinnhaftigkeit des eigenen Handelns zu konzentrieren und nicht das Gewinnstreben in den Mittelpunkt zu stellen.

Man hat sich zum Ziel gesetzt, die Wirtschaft weg von Profitgier hin zu Sinn und Verantwortung zu transformieren.

Wie funktioniert Ecosia?

Ecosia ist keine echte Suchmaschine, sondern „nur“ eine Suchmaske. Unter der Haube arbeitet der Suchalgorithmus von Bing, der Suchmaschine von Microsoft.

Die Suchanfragen von Ecosia werden also zunächst an die Server von Bing weitergeleitet, die dann eine Antwort (in Form von Suchergebnissen) an Ecosia schicken. Auch die ausgespielten Werbeanzeigen stammen aus dem Microsoft-Werbenetzwerk.

Für jede Suchanfrage, die bei Ecosia getätigt wird, zahlt Ecosia eine Gebühr an Microsoft. Im Gegenzug erhält Ecosia dafür den Großteil der generierten Werbeeinnahmen.

Ähnlich wie auch Google verdient Ecosia also nur dann Geld, wenn Nutzer auf die Werbeanzeigen in den Suchergebnissen klicken.

Wer nicht findet, was er sucht, kann unterhalb der Suchergebnisse die Suchanfrage mit nur einem Klick nochmals bei Google (oder Bing) suchen. Alternativ kann durch das hinzufügen von „#g“ hinter der Suchanfrage auch direkt Google geöffnet werden.

Für lokale Anfragen und das Finden von Orten kann der Nutzer zwischen Google Maps und TREEDAY wählen.

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Was kostet Ecosia?

Die Nutzung von Ecosia ist für Dich vollkommen kostenlos. Ähnlich wie Google finanziert sich die Suchmaschine vollständig über Werbeeinnahmen.

Ecosia: Kritik

Ecosia ist eine grüne Suchmaschine, die 80% ihres Gewinns für Bäume spendet. Gibt es da überhaupt Raum für Kritik? Ja, den gibt es leider: Wer „Ecosia“ bei Google eingibt, erhält als ersten Vorschlag „Kritik“. Aufseiten der Nutzer scheint das Thema also durchaus gefragt zu sein.

In den folgenden Absätzen schauen wir uns verschiedene Kritikpunkte näher an: